Einer der größten Aufreger über Radfahrer_innen sind Situationen an Ampeln. Menschen auf Fahrrädern, aber auch viele, die zu Fuß gehen, ignorieren vermeindlich häufig das rote Licht an Ampeln. Unsere These ist, dass dies nicht verwunderlich ist, da Ampeln im Grundsatz schon für den Autoverkehr gemacht worden sind und meistens systematisch Fahrräder und Fußgänger_innen benachteiligen.

Warum eigentlich Ampeln?
An sich sollen Ampeln den Verkehr in geordnete Bahnen leiten. Motorisierter Straßenverkehr ist besonders gefährlich und muss daher eng mit Regeln belegt werden. Ampeln dienen jedoch auch dazu den Verkehrfluss zu regeln. Sie räumen dem Verkehr aus bestimmten Richtungen oder bestimmten Verkehrsteilnehmer_innen eine höhere Wichtigkeit ein. Damit können Staus der Autos verringert, Bussen und Bahnen vorrang eingeräumt oder auch übermäßig schnelles fahren ermöglicht oder verhindert werden. Ampeln lassen sich zudem per Computer programmiert steuern. Viele Ampeln sind mit Messkameras gekoppelt, die das Verkehrsaufkommen (und wenn sie scharf gestellt werden nicht nur dies) überwachen können. Auch damit sollen Staus vermindert werden.

Ampeln und Radverkehr
Aus den Beispielen wird schon deutlich, dass der Gedanke hinter der Nutzung von Ampeln stark vom Autoverkehr geprägt ist. An Stellen, an denen Fußgänger_innen und Radverkehr ausschließlich aufeinander treffen, sind Amepln überhaupt nicht das Mittel der Wahl um den Verkehr sinnvoll zu regeln. Hier ist es vor allem wichtig, dass vorsichtig und mit gegenseitiger Rücksichtnahme gefahren und gegangen wird, dann ist fast immer Platz für alle da. Ampeln sind daher vor allem dazu da, motorisierten Verkehr zu ermöglichen. So werden Ampeln auch gebaut und geschaltet. Der Radverkehr schaut dabei meistens ins rote Licht und darf warten.

Der gefühlte Unsinn
Da stehst Du also in der Nacht an der roten Ampel. Weit und breit ist kein Auto zu sehen. Du weißt, diese Ampel ist hier, um den Autoverkehr zu regeln, weil das Problem eben nicht der Radverkehr ist. Bleibst Du stehen oder nicht? In den meisten Ländern dieser Welt wird die Frage sehr schnell mit „nein“ beantwortet. Ob dies gut ist, ist eine andere Frage. Aber vielen Menschen auf dem Fahrrad bringen solche Situationen schnell bei: Diese Ampel ist nicht für Dich gemacht. Und dann fahren sie. Wir denken, dies ist sinnvoll – und sei es als Widerstand gegen solche für Fahrräder unsinnigen Regeln. So lange der Verkehr – und hier die Ampeln – aus der Sicht des motorisierten Verkehrs geplant wird, werden Menschen, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind, sich oft nicht angesprochen, ignoriert oder benachteiligt sehen. So lange dies so ist, sehen wir es als legitime Form des Widerstands an, die Ampel nicht zu beachten, so lange andere und die Rad fahrende Person nicht gefährdet werden. Ist das so unsinnig?

Anderes Beispiel Idaho
Im US Bundestaat Idaho wurde 1982 eine Regel eingeführt, nach der Fahrräder Ampeln als Stop-Schild behandeln dürfen. Dort dürfen Fahrräder an roten Ampeln, nachdem sie gehalten haben und die Vorfahrt der anderen Verkehrsteilnehmer_innen mit grüner Ampel beachtet haben, die rote Ampel überfahren. Studien belegen, dass diese Regel den Verkehr sicherer zu machen scheint. Da stellt sich schon die Frage, warum dies hier nicht durchsetzbar ist?
Mehr dazu ist hier Wikipedia: Idaho-Stop zu finden.